So sehr wir uns freuen, dass wir endlich wieder über die Öffnung der Kulturorte sprechen: Regionale Modellprojekte und improvisierte Öffnungsdaten und Auflagen mögen einzelnen Häusern Optionen für einen Probebetrieb geben. „Eine echte Perspektive für die Kultur oder eine Lösung aus der Krise ergeben sich daraus jedoch nicht,“ so Christian Bräuer, Vorsitzender der AG Kino – Gilde e.V..

Der Kinomarkt funktioniert bundesweit. Verleiher wie auch die Kinos benötigen einen mehrwöchigen Vorlauf, um Filmstarts zu bewerben und organisatorische Vorbereitungen zu treffen. Für alle Akteure ist eine Wiedereröffnung mit hohem finanziellen Aufwand verbunden.

Das Wie ist genauso entscheidend wie das Wann.

Das Kinos sichere Orte sind, haben die sorgfältigen Hygienekonzepte aus dem vergangenen Jahr ebenso bewiesen, wie zahlreiche Studien.“ so Bräuer. „Anstatt auf diesem Fundament aufzubauen, steht nun ein noch größerer Flickenteppich von im Eiltempo gestrickten Hygieneverordnungen und Öffnungsdaten für Filmtheater im Raum.“

Vieles scheint doppelt und dreifach gemoppelt. Wenn der Mindestabstand eingehalten, Säle belüftet, nicht gesprochen und nach vorne geblickt wird, tragen die zusätzliche Forderung von Verzehrverboten, Maskenpflicht am Platz sowie Schnelltests und Impfnachweise nicht zur Pandemiebekämpfung bei, sondern verhindern einen sicheren Kulturbetrieb.

Wir vermissen einen Dialog über verlässliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen auf Basis der Erkenntnisse und Erfahrungen.“, so Bräuer. „Seit mehr als einem Jahr sind wir stets zu konstruktivem Austausch bereit und haben die Zuverlässigkeit in der Umsetzung von Hygieneregeln unter Beweis gestellt.“

Unser Appell:  Freiluftkinos ermöglichen und evidenzbasierter Öffnungsplan für die Kinos

Wir appellieren daher an die Politik die Voraussetzungen zu schaffen, dass die Freiluftkinos überall dort, wo die Inzidenz an einem Ort stabil unter 100 liegt, mit den geprüften und in der Praxis bewährten Auflagen des vergangenen Sommers wieder öffnen können.

Zugleich sollte gemeinsam mit der Expertise und Erfahrung der Branche ein konkreter Wiedereröffnungsplan auf Basis evidenzbasierter Kriterien entwickelt werden. Andere Länder haben dies bereits vorgemacht.

Internationale Vorbilder für einen sicheren Kinobetrieb

Großbritannien etwa hat seinen Kinos ein konkretes Öffnungsdatum zwei Monate im Voraus genannt. In Österreich und den Niederlanden betrug der Vorlauf etwa einen Monat. Frankreich hat bereits in April einen Stufenplan für die Öffnung und Anpassung der Hygienekonzepte von Mai bis Juli vorgelegt, der Kinos sogar den Weg zu 100% Vollauslastung ermöglicht.

Christian Bräuer: „Ein solcher Vorlauf schafft nicht nur Planbarkeit für die Umsetzung von Hygienekonzepten. Er ermöglicht auch landesweite Filmstarts und besondere Marketingkampagnen, um das Publikum wieder sicher und mit exzellenten Programmen zu begrüßen.“

Die Filmbranche kann nicht davon überleben, wenn entlang der 100er-Inzidenz wiederholt geöffnet und geschlossen wird. Erneute Lockdowns könnten das endgültige Aus für viele kleine und mittlere Betriebe bedeuten.